Auslandseinsätze

Die Soldaten der Bundeswehr müssen überall auf der Welt zum Einsatz für Frieden und Freiheit, für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit bereit sein. Das Leitbild vom „Staatsbürger in Uniform“ gilt auch für Einsätze im Ausland. Es erfordert eine gute Ausbildung, Verständnis für politische und kulturelle Zusammenhänge und die Überzeugung, dass die Werteordnung des Grundgesetzes schützenswert ist.

Die Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung

Präventiv gegen schwelende Konflikte vorzugehen und so den Ausbruch von Krisen überhaupt zu verhindern, ist die Hauptstrategie der sicherheitspolitischen Akteure.

Deutschland hat die Ertüchtigungsidee beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im Dezember 2013 eingebracht. Mit diesem Konzept beabsichtigen Deutschland und seine EU-Partner, die Wirksamkeit der gemeinsamen Sicherheits und Verteidigungspolitik der EU zu erhöhen. Es gibt fünf Schwerpunktländer: Irak, Jordanien, Tunesien, Mali und Nigeria. Darüber hinaus gibt es Einzelprojekte, zum Beispiel mit den Vereinten Nationen und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS.

(nach: Bundesministerium der Verteidigung, Fragen und Antworten zu Ertüchtigung,  www.bmvg.de > Themen > Dossiers > Engagement in Afrika > Das Engagement >  Ertüchtigung in Afrika > Fragen und Antworten zur Ertüchtigung)

Herausforderungen im Auslandseinsatz

Auch im Auslandseinsatz bleibt ein Soldat der Bundeswehr „Staatsbürger in Uniform“ mit seinen Rechten und Pflichten, da die Bundesrepublik Deutschland die Hoheitsgewalt über deutsche Streitkräfte weder an die Vereinten Nationen noch an andere internationale Organisationen überträgt. Rund 3.300 deutsche Soldaten sind Anfang 2019 an internationalen Einsätzen beteiligt. Der Schwerpunkt der Einsätze der Bundeswehr wird auf nicht absehbare Zeit jenseits der deutschen Grenzen liegen. Der mehrmonatige Dienst ist nicht nur psychisch und physisch belastend. Der Umgang mit fremden Kulturen, der Dienst in multinationalen Kontingenten und der Einsatz in Krisenregionen stellen auch besondere Anforderungen an Ausbildung und Fähigkeiten der Soldaten, zum Beispiel bei Fremdsprachenkenntnissen und interkultureller Kompetenz. Letztere ist integraler Bestandteil der Vorbereitung auf Auslandseinsätze. 

Folgen des Einsatzes

Seit ihrer Gründung 1955 sind rund 3.200 militärische und zivile Angehörige der Bundeswehr im Verlauf der Ausübung ihres Dienstes zu Tode gekommen. Ihre Namen sind am Ehrenmahl der Bundeswehr verewigt. 110 Soldaten sind seit 1992, also seit Beginn der Auslandseinsätze, bei Einsätzen im Ausland gestorben. Neben physischen Verletzungen kann der Auslandseinsatz auch psychische Folgen haben. Man geht davon aus, dass etwa drei Prozent der Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) durch den Einsatz davontragen. Die Symptome und die Intensität sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Bundeswehr hat für PTBS-Erkrankte eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die schnelle Unterstützung ermöglicht.

(Quelle: Das Ehrenmal der Bundeswehr: Den Toten unserer Bundeswehr, www.bundeswehr.de und Die Bundeswehr: Gedenken > Todesfälle in der Bundeswehr > Todesfälle im Einsatz, www.bundeswehr.de)

Deutsches Engagement in Afghanistan

Seit Ende 2001 sind deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Was als sechsmonatige Friedensmission begann, wurde zum langjährigen Kampfeinsatz. Zentral für den Erfolg ist, dass Afghanistan die Verantwortung für seine Sicherheit selbst übernehmen kann. Deshalb hilft die Bundesregierung besonders beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee. Gleichzeitig unterstützt Deutschland den zivilen Aufbau des Landes. Hunderte deutsche Entwicklungshelfer, Polizisten und Diplomaten haben den politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau im ganzen Land bereits unterstützt. Rund 30.000 deutsche Soldaten haben bisher an der Stabilisierung des Landes mitgewirkt. Ende 2014 ging die Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung über, und der ISAF-Einsatz (ISAF: International Security Assistance Force) endete.

Der Schwerpunkt des internationalen Engagements liegt nun im zivilen Bereich. Deutschland ist an der Nachfolgemission Resolute Support (RSM) beteiligt, um den Übergangsprozess militärisch zu sichern, die afghanischen Streitkräfte weiterhin auszubilden, sie zu schulen sowie ihnen in den Bereichen Strategie und Logistik beratend zur Seite zu stehen. Die Obergrenze der Mission liegt bei 1.300 deutschen Soldaten. Insgesamt rund 12.000 Soldaten aus den NATO-Staaten sowie aus weiteren Ländern beteiligen sich an der Nachfolgemission.

Neben ihrem Ausbildungsauftrag als Rahmennation im Norden übernimmt die Bundeswehr eine wichtige Rolle bei der Ausbildung afghanischer Streitkräfte (ANDSF Roadmap). Damit geht die afghanische Regierung seit 2017 eine stärkere Einsatzbereitschaft der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte und Kernprobleme der Sicherheitskräfte gezielt an, zum Beispiel die interne Korruption, die zu mangelnder Legitimation in der Bevölkerung führt. Die deutschen Kräfte unterstützen auch die unabhängige afghanische Wahlkommission dabei, die Präsidentschaftswahlen 2019 zu sichern.

Die internationale Unterstützung hat seit 2001 Erfolge erzielt, vor allem im Kampf gegen den Terrorismus. Auch für einen Großteil der Bevölkerung verbesserte sich die Lage. Statt einer Million gehen nun acht Millionen Kinder – auch Mädchen – in die Schule. Die Frauen haben eine bessere Position in der Gesellschaft. Es gibt Fortschritte bei Gesundheitsversorgung und Infrastruktur. Aber es gibt auch Rückschläge, besonders dort, wo sich die internationalen Truppen deutlich zurückgezogen haben. Hier haben die afghanischen Kräfte die Sicherheitsverantwortung allein übernommen und erhebliche Schwierigkeiten im Kampf gegen Al-Qaida, IS und Taliban. Die Bundesregierung sieht einen Lösungsweg für den Konflikt in Afghanistan in einem international und regional unterstützten innerafghanischen Friedensprozess zwischen Regierung und Taliban. Sie setzt sich dafür ein, dass der Friedensprozess die Taliban politisch einbindet.

(nach: Bericht der Bundesregierung zu Stand und Perspektiven des deutschen Afghanistan-Engagements, www.auswaertiges-amt.de, Februar 2018)

Einsätze deutscher Bundeswehrsoldaten

* jeweils bezogen auf das aktuelle Mandat des Deutschen Bundestages Stand: August 2018 Quelle: Bundeswehr: Einsatzzahlen – die Stärke der deutschen Kontingente, www.bundeswehr.de > Einsätze > Allgemeines > Aktuelle Stärke
Einsatz Bezeichnung Einsatzgebiet Mandatsobergrenze*
RSM Resolute Support Mission Afghanistan 1.300
KFOR Kosovo Force Kosovo 800
UNMISS United Nations Mission in South Sudan Südsudan 50
UNAMID United Nations / African Union Mission in Darfur Sudan 50
UNIFIL United Nations Interim Force in Lebanon Libanon 300
EUTM Mali European Union Trai ning Mission in Mali - Mali 350
MINUSMA Mission multidimen sionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali Mali 1.100
MINURSO Mission des Nations Unies pour l’organisa tion d’un référendum au Sahara occidental Westsahara 20
EUNAVFOR MED European Union Naval Force Mediterranean Operation SOPHIA Mittelmeer 950
Sea Guardian NATO-Mission Mittelmeer 650
NAVFOR Atalanta European Union Naval Force – Operation Atalanta Horn von Afrika u. angrenzende Seengebiete 600
Anti-IS-Einsatz / Fähigkeitsaufbau Irak Unterstützung der Anti-IS-Koalition, Stablisierung Irak Nahost 800

Recherchetipps

Informationen der Bundesregierung zu Missionen im Ausland www.bundesregierung.de > Themen > Jahresbericht 2016/17 > Deutschland kommt voran > Außen- und Sicherheitspolitik > Internationale Polizeimissionen

Informationen zum Ansatz der Ertüchtigungg www.bmvg.de > Themen > Dossiers > Friedenssicherung > Ertüchtigung

NATO (Englisch) www.nato.int

Weiterdenken

Fassen Sie die Anforderungen zusammen, denen Soldaten im Auslandeinsatz gerecht werden müssen, und benennen Sie mögliche Folgen aus einem solchen Einsatz. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit Ihren Sitznachbarn.

Erstellen Sie zu den tabellarisch aufgeführten Einsätzen in Kleingruppen ein Plakat, auf dem Sie die Missionen (Art, Umfang, Zeitraum, Ziel und mögliche Herausforderungen) vorstellen. Präsentieren Sie die Ergebnisse im Plenum.

Sammeln Sie arbeitsteilig Informationen über die aktuelle Situation in Afghanistan. Erstellen Sie eine Mindmap, in der Sie gemeinsam Ihre Ergebnisse in Hinblick auf die Sicherheitspolitik, die Wirtschaft und die Sozialpolitik beziehungsweise gesellschaftliche Entwicklungen kategorisieren. Interpretieren Sie gemeinsam die Ergebnisse.

Bewerten Sie – ausgehend von Ihren Erarbeitungen – die  Situation in Afghanistan, und entwerfen Sie Bedingungen,  die erfüllt sein sollten, um eine eigenständige und unabhängige Verwaltung des Landes zu erreichen.