Umweltzerstörung und Klimawandel

Die Folgen von Klimawandel und Umweltzerstörung betreffen nicht nur die Natur. Die entstandenen Ressourcenknappheiten führen auch zu sozialen und politischen Konflikten, die immer öfter gewaltsam ausgetragen werden. Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt, dass Klimakonflikte weiterhin ein bestimmendes Thema der internationalen Politik sein werden.
 

Das Beispiel Nigeria

Im nigerianischen Bundesstaat Benue treffen die nomadischen Viehzüchter des Stammes der Fulani, die in den trockenen Sommermonaten ihre Tiere auf die Wiesen der wasserreicheren Region treiben, die dort sesshaften Bauern. Doch durch höhere Bevölkerungszahlen und die Folgen des Klimawandels sind die überlebenswichtigen Ressourcen der Region knapp geworden – zu knapp, um sowohl die Bauern als auch die Viehzüchter zu versorgen. Der daraus resultierende Kampf um Wasser und Land wird mit zunehmender Brutalität geführt. Allein 80 Morde zählte man im Januar 2018 in Benue, die zumeist von verfeindeten Bauern und Viehzüchtern, die sich um den Zugang zu Wasser und Futtermitteln stritten, an Mitgliedern der jeweils anderen Gruppe verübt wurden. Konflikte dieser Art finden sich in der gesamten Sahelregion im Westen Afrikas. Gekämpft wird hier nicht um Territorium oder aufgrund religiöser Konflikte, sondern um den Zugang zu Ressourcen. 

Ausblick

Die sich abzeichnende Wasserarmut in heißen Regionen wird sich in Zukunft weiter verschärfen. Laut dem jüngsten Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird die Zahl der Menschen, die von Wassermangel bedroht sind, von heute 3,6 Milliarden auf 5,7 Milliarden im Jahr 2050 steigen. Die Gründe dafür liegen zum einen im Klimawandel, der zu Dürren, Fluten und der Versalzung von Wasservorkommen führt und somit das Angebot an Trinkwasser reduziert. Zum anderen steigt die Nachfrage nach Wasser aufgrund des Bevölkerungswachstums sowie des wirtschaftlichen Wachstums der Entwicklungs- und Schwellenländer. Ungefähr acht Milliarden Menschen werden im Jahr 2030 auf der Erde leben, was zu einem enormen Anstieg des Energiebedarfs führt.
 

Der Energiehunger der Welt

Weltweiter Primärenergiebedarf nach Energieträger (in Milliarden Tonnen Öläquivalent)

Das Pariser Abkommen

Diese Ziele hat die Weltgemeinschaft zuletzt im Rahmen des Pariser Abkommens im Jahr 2015 definiert. Die 195 Länder, die an den Verhandlungen teilgenommen haben, einigten sich darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Angestrebt wird ein 1,5-Grad-Ziel. Das Besondere an diesem Abkommen ist, dass auch Staaten wie die USA oder China zugestimmt haben. Zuvor hatten sich die bei den größten Verursacher von CO2 nicht auf entsprechende Einschränkungen festlegen wollen. Ein Verstoß gegen die einzelnen Maßnahmen, die man in diesem Abkommen beschlossen hat, bleibt straffrei. Es handelt sich also um eine freiwillige Selbstverpflichtung der unterzeichnenden Länder. Seit 4. November 2016 ist der Vertrag offiziell in Kraft getreten. Die US-Regierung unter Präsident Trump hat im Jahr 2017 angekündigt, aus dem Vertrag im November 2019 wieder auszusteigen. 

Klimamigration

Verschlechtern sich die Lebensumstände von Menschen aufgrund der Folgen des Klimawandels derart, dass ihnen jegliche Lebensgrundlage entzogen wird, bleibt oftmals keine andere Möglichkeit als die Flucht. Dies kommt besonders häufig in Entwicklungsländern vor, die nicht über die nötige Infrastruktur verfügen, um sich gegen Überschwemmungen oder Dürren schützen zu können. Suchen sich die Betroffenen innerhalb ihrer Landesgrenzen ein neues Zuhause, spricht man von Binnenmigration, zum Beispiel in Bangladesch, wo die Küstenregionen aufgrund des steigenden Meeresspiegels zunehmend unbewohnbar werden. Doch nicht nur innerhalb der Landesgrenzen sind Fluchtbewegungen zu beobachten, auch international nimmt die Zahl sogenannter Klimaflüchtlinge zu. Die Schätzungen über die Anzahl zukünftiger Klimaflüchtlinge gehen auseinander. Zahlreiche NGOs und auch die Bundesregierung rechnen mit bis zu 200 Millionen Flüchtlingen in den kommenden Jahren. Dabei ist der rechtliche Status der Betroffenen noch ungeklärt. Weiter ist ungeklärt, wie diese große Anzahl von Menschen in möglichen Aufnahmeländern mittelfristig ernährt, mit Wohnraum versorgt, qualifiziert und in die Arbeitsmärkte integriert werden kann.

Im Gespräch

Auszug aus einem Interview mit der Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann und dem Umwelthistoriker Konrad Ott auf klimaretter.info:

„Als Flüchtlinge sind laut Genfer Flüchtlingskonvention nur Menschen anerkannt, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder ihrer politischen Meinung verfolgt werden. Umwelt- und Klimaschäden werden nicht als Fluchtgrund anerkannt. Sollte das geändert werden? Wer könnte das tun?

Konrad Ott:Hier kommt es erst einmal darauf an, den Begriff eines Klima- oder Umweltflüchtlings zu definieren. Je nach Definition schwankt die Zahl der Personen erheblich. Dann wäre zu überlegen, wie die sehr zahlreichen Begründungen überprüft werden sollen, mit denen Menschen die Anerkennung als Klimaflüchtlinge erreichen wollen. Über Krieg und politische Verfolgung lassen sich noch Urteile fällen, aber Umweltveränderungen sind so komplex, dass am Ende alle als Klima- oder Umweltflüchtlinge anerkannt werden müssten, die die entsprechenden, meist nicht überprüfbaren Begründungen anführen. Ich habe keine Ahnung, wie wir dann zu einer Anerkennungspraxis gelangen könnten. Ich sehe die Ausweitung der Fluchtgründe mittlerweile eher kritisch. Ich bin gerade dabei, die Begriffsbildung zu reflektieren, und es türmen sich Probleme über Probleme auf. Bevor wir uns dieser Probleme nicht wenigstens vergewissert haben, würde ich von wohlmeinenden, aber naiven Kampagnen abraten.

Bärbel Dieckmann:Es gibt nur sehr selten eine einzige Fluchtursache. Soziale Benachteiligung führt oft zu prekären wirtschaftlichen Situationen und kann ein Anstoß zur Flucht sein. Die Ernährungs- und Einkommenslage wird sich in vielen Gebieten durch den Klimawandel zusätzlich verschlechtern. Eine neue Kategorie wird daran nichts ändern. Für die Betroffenen ist der Auslöser der Flucht am Ende nicht wichtig. Sie brauchen eine Perspektive, wie sie ihr Leben in ihrer Heimatregion wieder selbst in die Hand nehmen und gestalten können.“

(Quelle: Susanne Götze: „Klimaflüchtlinge anerkennen hilft nicht“,  Interview vom 18. Juli 2016, klimaretter.info)

 

Recherchetipps

Global Terrorism Index des Institute for Economics and Peace http://globalterrorismindex.org

Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de > Aus Politik und Zeitgeschichte 2016 > Terrorismus

Weiterdenken

Fassen Sie in Einzelarbeit zusammen, welche politischen Herausforderungen aus dem Klimawandel entstehen.

Arbeiten Sie in Gruppen die Stärken und Schwächen des Pariser Abkommens heraus. Recherchieren Sie dazu, mit welchen Mitteln die Akteure ihre Klimaziele umsetzen wollen. VerfassenSie anschließend eine entsprechende Stellungnahme, in der Sie die Maßnahmen bewerten.

Sollten Umwelt- und Klimaschäden als Fluchtursache anerkannt werden? Ermitteln Sie die Argumente dafür und dagegen, ergänzen Sie diese durch eigene Ansätze, und diskutieren Sie im Kurs.