Gewalt und Terrorismus

Auch wenn sich die Lage im Jahr 2017 leicht verbessert hat, so ist die Welt heute insgesamt deutlich weniger friedlich als vor zehn Jahren. So kann man die Ergebnisse des jüngsten „Global Peace Index“ zusammenfassen, der alljährlich vom australischen Institute for Economics and Peace (IEP) veröffentlicht wird. Dafür, dass die Zahl der Kriegsopfer in den letzten Jahren wieder gestiegen ist, ist hauptsächlich der Krieg in Syrien verantwortlich.

Konflikte dieser Art sind auch ein Grund dafür, dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit im Jahr 2017 den höchsten je gemessenen Stand erreicht hat. Das UN-Flüchtlings kommissariat (UNHCR) spricht von 68,5 Millionen Menschen. Zahlen des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK) zufolge gab es 2017 weltweit 385 Konflikte.

Entwicklung des weltweiten Terrorismus

Nach den Ergebnissen des Global Terrorism Index (GTI), den das IEP jährlich präsentiert, wurden im Jahr 2017 in Westeuropa 81 Menschen bei Terroranschlägen getötet. Während die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus auch in Deutschland immer realer wird, sind die Opferzahlen global gesehen rückläufig. Mit 18.814 Menschen starben 2017 27 Prozent weniger als im Jahr 2014. Der Großteil aller Terroranschläge weltweit ereignete sich im Nahen Osten, in Afrika und in Südasien. Die Staaten mit den meisten Anschlägen waren Afghanistan, Irak, Nigeria, Somalia und Syrien. Laut GTI waren im Jahr 2017 die Terrororganisationen Islamischer Staat (IS), die Taliban, Als-Shabaab sowie Boko Haram die gefährlichsten Akteure weltweit. Allein der IS hatte im Jahr 2017 mehr als 4.000 Tote zu verantworten, die meisten davon im Irak.

Dort entstand der IS auch. Nach dem Irakkrieg, der 2003 unter Führung der USA begann, kam es dort zu einem Machtvakuum, das sich die Terrororganisation IS zunutze machte, die dann auch schnell weite Teile im Nordwesten des Iraks und im Nordosten Syriens eroberte. Ihr Wirken beschränkt sich nicht nur auf den Nahen Osten. Auch in Europa kommt es immer wieder zu Terroranschlägen, zu denen sich der IS bekennt, so zum Beispiel in Berlin und Brüssel 2016 oder in Barcelona und Manchester 2017. Seit 2017 hat der IS in seinem Kerngebiet jedoch zahlreiche militärische Niederlagen hinnehmen müssen.

nach: Landeszentrale für politische Bildung: www.lpb-bw.de > Politikthemen > Dossiers > Der Islamische Staat (IS)

Ursachen

Bei der Suche nach den Ursachen von Terrorismus gibt es zahl reiche Faktoren zu beachten. Am Beispiel des IS zeigt sich, dass terroristische Organisationen besonders in politisch instabilen Regionen entstehen, in denen ein schwacher Staat sein Gewaltmonopol nicht angemessen wahrnehmen kann. Auch in ökonomisch schwachen Ländern fällt den Terrorgruppen die Rekrutierung tendenziell leichter. Warum ein Mensch zu einem Terroristen wird, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es lassen sich lediglich Faktoren erkennen, die eine Radikalisierung begünstigen.

Insbesondere junge Menschen sind demnach gefährdet, von der Propaganda der Terrororganisationen beeinflusst zu werden. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn sie sich strukturell benachteiligt fühlen und kaum Aussichten auf ein Leben in Wohlstand haben. „Relative Deprivation“ nennt man die Orientierung an subjektiven Vergleichen, bei denen man immer den Kürzeren zieht. Organisationen wie der IS schaffen es in der Folge, den Betroffenen eine neue Perspektive aufzuzeigen. Sie konstruieren ein Feindbild, das für die Situation der Menschen verantwortlich zu sein scheint und das mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Durch die Teilnahme an einem terroristischen Anschlag versprechen sich die Betroffenen einen Bedeutungszuwachs für ihr eigenes Dasein („Quest for Significance“). Sie sehen sich als Helden, die einer größeren Sache dienen. Umrahmt wird dieser Mechanismus in der Regel durch eine Ideologie, zum Beispiel dem extremen Islamismus.

Neue Politik statt neuer Krieg

Nach den Anschlägen des IS in Paris im November 2015, bei denen 130 Menschen getötet wurden, kommentierte der Journalist René Wildangel die möglichen Reaktionen darauf:

 

„Der Ruf nach geschlossenen Grenzen ist nicht die einzige unmittelbare Reaktion auf die Anschläge. Schon werden auch in Deutschland neue Forderungen erhoben, die finanzielle Ausstattung und die Befugnisse von Sicherheitsbehörden auszuweiten. Zweifelsohne sind eine vernünftig ausgestattete Polizei, Justiz und Geheimdienste notwendig, um die Bevölkerung schützen zu können, terroristische Mörder zu verfolgen und sie zu verurteilen. Ebenso wichtig ist eine international koordinierte militärische Strategie gegen den IS (…). Aber die neuerliche Ausrufung eines ‚Kriegs gegen den Terror‘ ist dabei nicht hilfreich. 14 Jahre ist es her, dass der damalige US-Präsident George W. Bush die Anschläge des 11. Septembers ebenfalls einen ‚Kriegsakt‘ gegen Amerika nannte und einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus ausrief. Die Diskussion über Sicherheit änderte sich grundlegend (…). Die Bürger haben sich nicht nur daran gewöhnen müssen, an Flughäfen verschärft kontrolliert, sondern auch im öffentlichen Raum videoüberwacht und in ihrem E-Mail- und Telefonverkehr überwacht zu werden. Der Patriot Act in den USA und ähnliche Gesetze in anderen Ländern haben die Bürgerund Freiheitsrechte eingeschränkt, während die Sicherheitsbehörden immer größere Freiheiten erhielten. Das meiste davon ist bis heute in Kraft. Der 11. September legitimierte nicht nur die US-geführte Invasion in Afghanistan, sondern letztlich auch den Einmarsch im Irak 2003. Die Jahre der Präsenz amerikanischer Truppen waren von einem völligen Fehlen einer politischen Strategie gekennzeichnet. Das mündete in ethnisch-religiösen Spannungen und schließlich in einem schrecklichen Bürgerkrieg. Die gesellschaftliche und staatliche Struktur des Irak (…) zerfiel vollständig. Nichts hat die Entstehung des ‚Islamischen Staates‘ so stark gefördert wie die Ausgrenzung und Erniedrigung der Sunniten im Irak in den rechtsfreien US-Verliesen in Abu Ghraib und Camp Bucca. Die Bilanz des ‚Kriegs gegen den Terror‘ ist ernüchternd.“

 

(Quelle: René Wildangel: „Neue Politik statt neuen Krieg“, www.zeit.de, 20. November 2015)

 

 

Mordraten weltweit

Morde pro 100.000 Einwohner im Jahr 2015

Die gefährlichsten Länder der Welt

Nicht nur Kriege, Konflikte oder Terroranschläge bedrohen die menschliche Sicherheit. In keinem Land gibt es so viele Gewaltdelikte außerhalb von Kriegsgebieten wie in El Salvador. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Banden sind die Ursache für die höchste Mordrate weltweit.

Recherchetipps

Global Terrorism Index des Institute for Economics and Peace http://globalterrorismindex.org

Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de > Aus Politik und Zeitgeschichte 2016 > Terrorismus

Weiterdenken

Fassen Sie die Informationen zum Begriff Terrorismus in einer Mindmap zusammen.

Recherchieren Sie
arbeitsteilig Informationen zu den größten Terrororganisationen Al-Qaida, Islamischer Staat, Taliban und Boko Haram, und bereiten Sie eine Präsentation mit folgender Gliederung vor: 1) Entstehung, 2) Ziele, 3) Gegner und Unterstützer, 4) aktuelle Entwicklungen.

Sammeln Sie Informationen zu den in Deutschland verabschiedeten Anti-Terror-Gesetzen, und erläutern Sie im Plenum, inwiefern sich darin der Konflikt von Sicherheit und Freiheit widerspiegelt.

Kann Terrorismus militärisch bekämpft werden? Erörtern Sie diese Fragestellung vor dem Hintergrund Ihrer bisherigen Arbeitsergebnisse.