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Frieden & Sicherheit-Zusatzmaterial: Die NATO

Zusatzmaterial: Die NATO

Zusatzmaterial zum Schülermagazin (Seiten 16/17)

Die neue Aufgabe der NATO ist der globale Energie-Krieg

Auszug aus einem Interview mit Daniele Ganser, Leiter des Schweizer Instituts für Friedensforschung und Energie:

 

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Würden Sie sagen, dass sich weltweit Konflikte um Ressourcen in den letzten zehn Jahren verschärft haben?

 

Daniele Ganser: Ja, für mich ist das ganz klar ersichtlich. 2003 der Einmarsch in das Erdöl-Land Irak, 2011 der Angriff auf das OPEC-Land Libyen und aktuell der Konflikt in der Ukraine, ein wichtiges Transitland für Erdgas. […] Die Russen produzieren zehn Millionen Fass Erdöl am Tag, genau wie Saudi Arabien. […] Russland ist zudem der zweitgrößte Gasproduzent hinter den USA. […] Die Menschen denken häufig, das Dämonisieren von Putin sei völlig unabhängig von Öl und Gas. Ich sehe das anders. Ich denke, dass die NATO das Thema Ressourcenkriege ganz oben auf der Agenda führt […] so wie ich die NATO-Strategie beobachte, macht man das, um alle Exportwege aus Russland zu kontrollieren. […] Das ist ein Kampf um Pipelines und Einflusssphären und hat mit Menschenrechten nichts zu tun.

 

Quelle: Interview mit Daniele Ganser: „Die neue Aufgabe der NATO ist der globale Energie-Krieg“, in: Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 10.10.2014, www.deutsche-wirtschfts-nachrichten.de. 

 

Nicht die NATO ist schuld

In der Debatte um die Krim-Krise wird behauptet, die östliche Erweiterung der NATO habe Russland in seine aggressive Haltung getrieben. Tatsächlich ist das westliche Zurückweichen der Grund dafür, dass Putin keine Grenzen kennt. […] Nur aber wenn man die Sicherheitsinteressen Russlands weiterhin nach der imperialen Logik der Sowjetunion betrachtet, kann man die NATO-Osterweiterung der 90er-Jahre als aggressiven Akt gegenüber Moskau betrachten. Sie diente vielmehr in erster Linie der Heranführung der neuen Demokratien an die Standards Westeuropas – und damit als eine Art Fitness-Programm zur Vorbereitung auf ihren schließlichen Eintritt in die EU. […] Dazu gehören das Bekenntnis, innere ethnische und äußere Streitigkeiten friedlich zu lösen, die Verpflichtung auf Rechtsstaat und Menschenrechte sowie die Gewährleistung demokratischer Kontrolle der Streitkräfte. Die NATO-Erweiterung diente so der Absicherung der osteuropäischen Demokratien vor Rückfällen in autoritäre Strukturen und aggressiven Nationalismus – und schuf damit auch für Russland Sicherheit vor eventuellen revanchistischen Gelüsten im „neuen“ Europa.

 

Quelle: Richard Herzinger: „Nicht die NATO ist schuld“, in: Die Welt, 21.3.2014.

 

Arbeitsaufträge:

Einzelarbeit:
Formulieren Sie jeweils in einem Satz, welche Intention Daniele Ganser (M4) und Richard Herzinger (M5) der NATO für Ihr Engagement zuschreiben.

 

Plenum:
Erörtern Sie anhand der Spannungen zwischen der westlichen Welt/NATO und Russland folgendes Zitat: „Statt […] einen Mechanismus der europäischen Sicherheit zu entwickeln und eine umfassende Demilitarisierung der europäischen Politik vorzunehmen […] haben sich der Westen und insbesondere die USA zu Siegern im Kalten Krieg erklärt. […] Sie nutzten den geschwächten Zustand Russlands und das Ausbleiben eines Gegengewichts aus und erhoben Anspruch auf eine Monopolstellung und auf ein Dominieren an der Spitze der Welt.“

Michail Gorbatschow, ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträger, Zitat aus: „Schwere Vorwürfe: Gorbatschow kritisiert den Westen“, 8.11.2014, www.heute.de.

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