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Frieden & Sicherheit-Zusatzmaterial: Auslandseinsätze

Zusatzmaterial: Auslandseinsätze

Zusatzmaterial zum Schülermagazin (Seiten 28/29)

Deutschlands neue Rolle in der Welt

Auszüge aus einem Interview mit Bundespräsident Joachim Gauck im Deutschlandfunk:


Deutschlandfunk: Sie haben […] auf der Münchner Sicherheitskonferenz sich für mehr deutsches internationales Engagement ausgesprochen. Bedeutet dieses internationale Engagement in Ihrem Sinne auch militärisches Engagement?


Joachim Gauck: Erst einmal meine ich nicht das, was Deutschland in vergangenen Jahrhunderten oder in dem Jahrzehnt des Krieges an den Tag gelegt hat: deutsches Dominanzgebaren. Das Gegenteil ist gemeint. Es ist im Verbund mit denen, die in der Europäischen Union oder in der NATO mit uns zusammengehen, ein Ja zu einer aktiven Teilnahme an Konfliktlösungen im größeren Rahmen. Wenn die Bundesregierung jetzt sehr aktiv ist im Ukraine-Konflikt, dann ist das in dem Sinne, wie ich es gemeint habe. Es gab früher eine gut begründete Zurückhaltung der Deutschen, international sich entsprechend der Größe oder der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands einzulassen. Das kann ich verstehen! Aber heute ist Deutschland eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen. So wie wir eine Polizei haben und nicht nur Richter und Lehrer, so brauchen wir international auch Kräfte, die Verbrecher oder Despoten, die gegen ihr eigenes Volk oder gegen ein anderes mörderisch vorgehen, stoppen. Und dann ist als letztes Mittel manchmal auch gemeinsam mit anderen eine Abwehr von Aggression erforderlich. Deshalb gehört letztlich als letztes Mittel auch dazu, den Einsatz militärischer Mittel nicht von vornherein zu verwerfen.


Quelle: Interview mit Joachim Gauck: "Auch zu den Waffen greifen",  in: Deutschlandfunk, 14.6.2014.

 

Das Schlimmste ist die Heuchelei

Diese Politiker gebrauchen das Wort Krieg nicht. Aber nichts anderes ist gemeint, wenn Steinmeier von „tätiger Außenpolitik“ spricht und Gauck die Deutschen auffordert, „sich der Welt zuzuwenden“. […] Diesem Denken liegt eine überkommene Vorstellung von Sicherheit und Verantwortung zugrunde. […] Im Afghanistan-Krieg starben 54 deutsche Soldaten und Polizisten, davon 36 im Kampf. Meinte der Außenminister diese Toten, als er vom „kommentierenden“ Deutschland sprach? […] Glauben die beiden denn, eine größere Zahl von Soldaten – und von Opfern auf beiden Seiten – hätte das afghanische Blatt wenden können? […] Die Deutschen sind mit großer Mehrheit gegen die Kampfeinsätze der Bundeswehr. Sie haben […] verstanden […], dass die kulturellen Konflikte der Gegenwart mit Waffen nicht zu lösen sind. Einen Tag nach Gaucks Rede [wurde] der Export von mehr als hundert Patrouillen- und Grenzüberwachungsbooten nach Saudi-Arabien mit einer Bürgschaft von rund 1,4 Milliarden Euro unterstützt […]. Ausdrücklich wird auf die „hohe beschäftigungspolitische Bedeutung“ des Deals hingewiesen.


Quelle: Jakob Augstein: „Das Gerede vom Krieg“, in: Spiegel Online, 3.2.2014.

 

Arbeitsvorschläge:

Plenum
Erstellen Sie eine Tabelle, in der Sie Chancen und Risiken auflisten, die aus einer aktiveren  Rolle Deutschlands entstehen. Erörtern Sie einzelne Aspekte. Notieren Sie in einer dritten Spalte mögliche Kompromisswege oder Lösungsansätze.

 

Gruppenarbeit
Recherchieren Sie nach Meinungen von Entscheidungsträgern und Meinungsführern (z. B. aus Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen) über die neue Rolle Deutschlands in der Welt und über eine zukünftig aktivere Außenpolitik. Stellen Sie deren Sichtweisen in fünf bis zehn Punkten vor.

Online-Magazin

Abbildung Schülermagazin 2019

Das aktuelle Schülermagazin Frieden & Sicherheit können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Nachschlagen

Hier finden Sie eine kommentierte Linksammlung zu Themen der Friedens- und Sicherheitspolitik sowie zu weiterführenden Angeboten der schulischen und außerschulischen politischen Bildung.

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