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Frieden & Sicherheit-Zusatzmaterial: Aktuelle religiöse und ethnische Konflikte

Zusatzmaterial: Aktuelle religiöse und ethnische Konflikte

Zusatzmaterial zum Schülermagazin (Seiten 6/7)

Die Welt ist verrückt – und was machen wir?

Die Konflikte in Russland und im Mittleren Osten lassen sich schließlich auch als Binnenkonflikte lesen, bei denen die USA und Europa Katalysatoren, Projektions- und Angriffsfläche sind, nicht aber die erste Ursache. Sowohl das orthodox geführte Russland als auch die islamisch geprägten Staaten haben ein Jahrhundertproblem mit der Globalisierung, die ihre Kultur relativiert und ihre Ökonomie bloßstellt, sie haben aber auch, auf ganz unterschiedliche Weise, ein Kardinalproblem mit der Säkularisierung, der fehlenden Trennung von Kirche und Staat oder von Glaube und Politik. Opfermythos und heilige Mission […] werden politisiert und dadurch gewissermaßen scharf gemacht. Lösen lässt sich das nur durch innere Entwicklungen […], die der Westen nicht erzwingen kann. […]  Fundamentalisten fühlen sich vom Westen, so wie er heute ist, offenbar bis ins Mark provoziert. So schwul, so libertär, so säkular – und dabei nach wie vor ökonomisch so erfolgreich, das können sie nicht fassen. Die Vorstellung, dass die westlichen Gesellschaften nicht trotz ihrer Toleranz, ihrer Pluralität, ja ihrem ganzen verweichlichten Gehabe so erfolgreich sind, sondern eben deswegen, die ist ihnen komplett wesensfremd. Darum gehen sie irrigerweise vom alsbaldigen Niedergang des Westens aus, ihn anzugreifen lohnt sich also. Hier prallen wirklich Welten aufeinander.


Quelle: Bernd Ulrich, „Die Welt ist verrückt – und was machen wir?“, in: Die Zeit Nr. 36/2014, 2.9.2014, www.zeit.de.

 

Aus dem Klassenzimmer in den Dschihad

Sicherheitsbehörden gehen von weit mehr als 400 Deutschen aus, die bis jetzt als IS-Kämpfer nach Syrien oder in den Irak gereist sind. Auch frühere Schüler der Islamlehrerin Lamya Kaddor sind dabei.

 

tageschau.de: Was sind das für Menschen, die aus Deutschland in den Heiligen Krieg ziehen?

 

Lamya Kaddor: Zum Profil dieser Menschen gehört sicher eine bestimmte Gewaltbereitschaft und gleichzeitig auch Orientierungslosigkeit. Diese ist häufig geprägt von Frustrationserfahrungen – zum Beispiel durch Ausgrenzung und das Gefühl, hier nicht hinzugehören, nichts wert zu sein. Und dann entstehen Allmachtsfantasien, diesen Frust auch irgendwo abzulassen. Die Religion ist nur das Mittel zum Zweck. Man muss ja irgendwie für sich legitimieren können, dass man diese Aggression, diese Gewalt, diese Ausweglosigkeit loswerden will. Das versucht man dann mit dem Islam hinzukriegen. Indem man sagt: „Wir fühlen uns als Muslime ungerecht behandelt und wir müssen uns doch wehren dagegen, dass der Islam weltweit so schlecht behandelt und unterdrückt wird.“ Damit hat man das Ventil, um der Aggression Platz zu verschaffen.


Quelle: Katharina Knocke: „Aus dem Klassenzimmer in den Dschihad“, 25.9.2014, www.tagesschau.de.


Arbeitsaufträge:

Plenum:
Erstellen Sie Thesen, welche Rolle das Internet und nutzergenerierte Web-2.0-Anwendungen (soziale Netzwerke, Foren, Blogs etc.) bei der Verbreitung oder auch Eindämmung von religiösem oder politischem Fundamentalismus spielt bzw. spielen könnte.

 

Plenum:
Auch in Deutschland gibt es einen Nährboden für religiösen Fundamentalismus. Erstellen Sie Thesen mit Ursachen für diese Entwicklung und entwickeln Sie Ideen, wie man dieser Entwicklung (gesellschaftlich, sicherheitspolitisch) entgegenwirken könnte. Recherchieren Sie hierfür Aussagen von Betroffenen, Rückkehrern, Aussteigern oder Analysten sowie in Medienberichten oder Studien.

Online-Magazin

Abbildung Schülermagazin 2019

Das aktuelle Schülermagazin Frieden & Sicherheit können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

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Hier finden Sie eine kommentierte Linksammlung zu Themen der Friedens- und Sicherheitspolitik sowie zu weiterführenden Angeboten der schulischen und außerschulischen politischen Bildung.

Herausgeberin

 

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