Unterrichtsanregungen zum Magazin
Krisen und Konflikte: Staatszerfall
Die Seite geht vorwiegend den Ursachen und Folgen von „failing states“ nach. Zerfällt die staatliche Ordnung, weitet sich die Krise häufig zu regionalen Konflikten aus – nicht selten unter Beteiligung von Terrorgruppen. Als Antwort werden Möglichkeiten des „nation-buildings“ in den Vordergrund gerückt.
A) Vorschläge für den Unterricht
Internetrecherche
Recherchieren Sie eine Woche lang jeden Tag in Zeitungen/Zeitschriften, im Fernsehen und im Internet (zum Beispiel unter
www.spiegel.de,
www.tagesschau.de) zum Thema „regionale Konflikte“:
- Über welche Krisen und Konflikte in aller Welt wird berichtet? Werten Sie aus: betroffene Länder (Region/Kontinent), Art des Konflikts, Konfliktparteien, Ursachen.
- Ergänzen Sie Ihre Recherchen durch die Analyse der sicherheitspolitischen Meldungen in der Rubrik „Meldungen“. Ziehen Sie auch die Krisenkarte in der Rubrik „Interaktiv“ der Website heran.
- Entwickeln Sie aus den Materialien und Recherchen ein Informationspapier über Bedrohungsszenarien.
Ursachenanalyse
Die Situation in „fragilen Staaten“
- Gruppenarbeit: Suchen Sie sich ein Land aus, das zu den „fragilen“ oder „zerfallenden Staaten“ gezählt wird. Verschaffen Sie sich zunächst einen groben Überblick über die geografische, geschichtliche, ethnische, ökonomische und aktuelle politische Situation. Untersuchen Sie dann das Faktum, dass der Staat zerfällt oder von Verfall bedroht ist, nach folgenden Gesichtspunkten: Handelt es sich eher um innere (endogene) oder äußere (exogene) Ursachen? Welche Rolle spielen z. B. Korruption und koloniale Hinterlassenschaften (geschichtlich) oder multinationale Unternehmen (aktuell)?
- Wie müsste eine Strategie zur Besserung der Situation aussehen, wie erreicht man „good governance“? Wer kann dabei mitwirken?
- Welche Gefahren können von innerstaatlichen und regionalen Konflikten für die Weltgemeinschaft ausgehen?
- Ist es richtig, dass sich eine zunächst vorwiegend entwicklungspolitische und humanitäre Betrachtung zu einer sicherheitspolitischen erweitert hat?
- Tragen Sie in der Klasse die Ergebnisse vor und untersuchen Sie die verschiedenen Länder auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Planspiel
Die Klasse einigt sich auf einen der vorher untersuchten Staaten und teilt sich auf in Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Bundesministeriums des Innern, des Auswärtigen Amts, des Bundesministeriums der Verteidigung, einer Nichtregierungsorganisation und einer Vertretung des „fragilen Staates“. Ziel ist eine gemeinsame Konferenz, bei der ein Programm für „good governance“ beschlossen wird.
- Ziehen Sie zur Vorbereitung die Texte im Schülermagazin „Staatszerfall“ und „Zivil-Militärische Zusammenarbeit“ heran.
- Bereiten Sie in der Gruppe die Position Ihres Ressorts vor und arbeiten Sie die Bedeutung heraus.
- Die Konferenz wird partnerschaftlich geleitet von einem Vertreter des Auswärtigen Amtes und einem Vertreter des betroffenen Landes, das sich von Deutschland Hilfe erhofft. Stimmen Sie schließlich über drei bis sechs wichtige Maßnahmen ab, die Sie als vorrangig ansehen.
- In der sich anschließenden Diskussion führt die Lehrkraft per Folie die folgenden Überlegungen zu „nation-building“ ein, um weitere Bewertungsmaßstäbe nutzen zu können:
- sorgfältige Analyse der Krisenursachen, Lebensbedingungen und Akteure vor Ort
- Bereitschaft zu langfristigem Engagement (keine schnellen Lösungen)
- Ansatz bei strukturellen Problemen
- regionaler Ansatz, Einbeziehung der Nachbarländer
- Zusammenwirken von mehreren Staaten und Nichtregierungsorganisationen
- Wege hin zur „good governance“
- Förderung und Achtung der Selbstbestimmung unter Einbeziehung wichtiger Gruppierungen
B) Vertiefung
Internetrecherchen/Schülerreferate
Für innerstaatliche gewaltsame Konflikte wird häufig die Bezeichnung „neuer Krieg“ verwendet, um den Unterschied zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten deutlich zu machen. Mithilfe von Internetrecherchen und Kurzreferaten über verschiedene Krisenherde können die Merkmale „neuer Kriege“ erarbeitet und problematisiert werden. Die Thematik kann auch an einem Staat exemplarisch anhand einer Merkmalskala untersucht werden:
- Wandel vom zwischenstaatlichen Krieg zum Bürgerkrieg
- Privatisierung und Kommerzialisierung des Krieges
- asymmetrische Kriegsführung: Armee gegen Guerillas oder Terroristen
- Plünderung und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung
- Zwangsrekrutierung von Kindern und Jugendlichen
- Einbeziehung der Zivilbevölkerung in Kampfhandlungen
- keine klare Unterscheidung in Kombattanten (Streitkräfte) und Nichtkombattanten (zivile Bevölkerung)
- Mischung aus (Bürger-)Krieg, organisiertem Verbrechen und Menschenrechtsverletzung