Bundeswehr heute
Grundwehrdienst
Die Allgemeine Wehrpflicht wurde in Deutschland im Jahr 1956 eingeführt. Wehrpflichtig sind alle deutschen Männer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr. Die Allgemeine Wehrpflicht gilt als wichtiges Bindeglied zwischen Staat und Bürgern. Gleichzeitig ist die Bundeswehr für Berufs- und Zeitsoldaten auch einer der größten und attraktivsten Arbeitgeber des Landes mit einem breiten Angebot an Berufen und Karrierechancen, das sich an Frauen und Männer gleichermaßen richtet.Wehrpflicht konkret
Die Bundesregierung bekennt sich zur Allgemeinen Wehrpflicht. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vom 11. November 2005 heißt es: „Diese Dienstpflicht ist nach wie vor die beste Wehrform. Sie bestimmt Entwicklung und Selbstverständnis der Bundeswehr und dient der Verklammerung zwischen Streitkräften und Gesellschaft.“
Grundwehrdienst leistende Bundeswehrsoldaten (Foto: BMVg/Modes)
Seit Januar 2002 beträgt die Dauer des Grundwehrdiensts neun Monate. Dieser Dienst kann zusammenhängend oder auch mit Unterbrechungen geleistet werden. Dann werden in einem sechsmonatigen Abschnitt zunächst das militärische Grundwissen und die soldatischen Grundfertigkeiten vermittelt. Es folgen zwei Abschnitte von je eineinhalb Monaten, die diese Fähigkeiten ergänzen und festigen. Sie müssen innerhalb von zwei Jahren geleistet werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Anschluss an den Grundwehrdienst mindestens einen Monat und höchstens 14 Monate freiwillig zusätzlichen Wehrdienst zu leisten. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr hat im November 2008 ein detailliertes Meinungsbild der Bevölkerung zur Bundeswehr, den Auslandseinsätzen und der Wehrpflicht präsentiert. Danach plädieren 62 Prozent der Befragten mehrheitlich für die Beibehaltung der Wehrpflicht gegenüber 27 Prozent, die sich für eine Abschaffung aussprechen, und 11 Prozent, die keine klare Meinung haben.
Pro Wehrpflicht
„Die Allgemeine Wehrpflicht sichert, dass die gesamte Bandbreite der schulischen und beruflichen Qualifikationen in den Streitkräften genutzt werden kann. Somit garantiert sie die Qualität (...), weil die Wehrpflichtigen- ein großes Potenzial allgemeiner und fachlicher Bildung,
- ein breites Berufsspektrum,
- praktische und theoretische Intelligenz und
- Fachkenntnisse aus zahlreichen Wissensgebieten
einbringen.“
„Die Wehrpflicht (...) ist das letzte Bindeglied zwischen Staat und Bürgern. (...) Wenn das wegfällt, entfernen sich Bundeswehr und Gesellschaft voneinander. Nicht weil die Soldaten in einer Freiwilligenarmee ihr staatsbürgerliches Selbstbewusstsein am Garderobenhaken abhängen würden, sondern weil ich die Gefahr sehe, dass (...) die Bundeswehr behandelt wird wie die Feuerwehr. Nach dem Motto: Für Brände haben wir die Feuerwehr, für die Kriminaldelikte die Polizei und für Bürgerkriege, wo auch immer auf der Welt, haben wir Profis, die wir dahin schicken.“
(Oberst Bernhard Gertz, ehemaliger Vorsitzender des Bundeswehrverbands, Interview vom 5. Mai 2004, www.bundeswehr.de)
Kontra Wehrpflicht
„Die deutsche Wehrpflicht ist ein Relikt des Kalten Krieges, jedes Jahr werden dadurch einige Jugendliche (...) benachteiligt und an einer zügigen Ausbildung gehindert. Die außenpolitische Situation unseres Landes erfordert heute jedoch in keinerlei Weise eine vorsorgliche und erzwungene Ausbildung weiter Teile der Bevölkerung im Dienst an der Waffe. Der Wegfall von über 90.000 Zivildienststellen wird für soziale und im Umweltschutz tätige Einrichtungen zwar schmerzhaft werden, doch können so zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden.“ (Quelle: Grüne Jugend NRW, Beschluss vom 14. Januar 2004, www.gruene-jugend.de/beschluesse)„Wer freiwillig seinen Dienst leistet, egal ob an der Waffe oder am Rollstuhl, ist einfach motivierter. Denn die Aufgaben, zivil oder militärisch, werden immer komplexer und verlangen dem Einzelnen immer mehr ab. Dafür braucht man Profis und keine Amateure.“ (Quelle: Junge Liberale, Schwerpunktthema Freiwilligenarmee, www.julis.de)
Freiwillige Wehrpflicht
Die SPD hat auf ihrem Bundesparteitag im Oktober 2007 in Hamburg eine Variante verabschiedet, die so genannte freiwillige Wehrpflicht. Der Koalitionspartner CDU/CSU hat sich gegen diesen Vorschlag ausgesprochen und hält an der Allgemeinen Wehrpflicht fest, während FDP und Grüne eine Berufsarmee favorisieren.„Wir setzen deshalb auf eine Fortentwicklung der Wehrpflicht, unter Beibehaltung der Musterung und Wehrgerechtigkeit, die die Möglichkeit einer flexiblen Bedarfsdeckung des erforderlichen Bundeswehrpersonals mit einer Stärkung des freiwilligen Engagements in der Bundeswehr verbindet. Wir streben an, zum Dienst in den Streitkräften künftig nur noch diejenigen einzuberufen, die sich zuvor bereit erklärt haben, den Dienst in der Bundeswehr leisten zu wollen.
Dies ist der Ausdruck einer persönlichen Entscheidung, sich für die Gesellschaft und für das Gemeinwohl zu engagieren. Dazu wollen wir die Attraktivität dieses freiwilligen Wehrdienstes steigern (…) und über ein Bonussystem positive Anreize setzen, etwa durch die Anrechnung von Dienst- auf Ausbildungszeiten und andere Vergünstigungen.“ (Quelle: SPD-Parteitag Hamburg 26. bis 28. Oktober 2007, Beschlussübersicht Nr. 63, Gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr erhalten – Freiwilligkeit stärken)

