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Krisen und Konflikte

Klimawandel

Das Eis auf den Polkappen schmilzt, die Gletscher schwinden, die Zahl der Hurrikane und Taifune nimmt zu. Der Wasserspiegel der Ozeane steigt, die Wüsten wachsen und die Bodenerosion schwemmt fruchtbares Ackerland fort. Die Folgen der globalen Erwärmung sind sowohl Konflikte um die überlebenswichtigen Ressourcen Land und Wasser als auch Flüchtlingsströme, die zur Destabilisierung ganzer Regionen beitragen und die internationale Sicherheit nachhaltig gefährden können.

Beispiel Sudan


„Im Sudan hat sich die Wüste in den letzten 40 Jahren um 100 Kilometer weiter in Richtung Süden ausgebreitet. Das liegt daran, dass zum einen die Regenfälle immer weiter zurückgehen, zum anderen haben die Überweidung von Grasflächen, das Abholzen von Wäldern und die dann einsetzende Bodenerosion das Land unfruchtbar gemacht. 40 Prozent des Waldes sind seit der Unabhängigkeit des Landes (1956) verloren gegangen. Für manche Regionen prognostiziert das Umweltprogramm der Vereinten Nationen einen Totalverlust des Waldes innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Ausgetrocknetes Flussbett in IndonesienAusgetrocknetes Flussbett in Indonesien (Foto: Reuters/Indonesia) Klimamodelle sagen für den Sudan einen weiteren Temperaturanstieg voraus; zugleich wird die Regenmenge weiter abnehmen. Für die Getreideernten bedeutet das einen künftigen Rückgang um etwa 70 Prozent. Das Land gehört schon jetzt zu den ärmsten der Welt; zugleich ist es ökologisch erheblich gefährdet, und seit einem halben Jahrhundert wird immer irgendwo im Sudan Krieg geführt. Es gibt deshalb fünf Millionen Flüchtlinge im Land, so genannte Internal Displaced Persons - Menschen, die ihre Dörfer verlassen mussten, weil sie von Milizen systematisch vertrieben wurden. Die morden nicht nur, sie verbrennen auch Dörfer und Wälder, um die Davongekommenen an einer Rückkehr zu hindern.

[…] Bislang nahm man an, dass die Gewaltfolgen von Klimaveränderungen eher indirekt sind; aber dort, wo das Überleben ohnehin schon gefährdet ist, führen selbst geringfügige Verschlechterungen zu Gewalt. Und im Sudan sind sie nicht geringfügig. In einer Gesellschaft, in der 70 Prozent der Bevölkerung auf dem Land und vom Land leben, gibt es ein Problem, wenn Weideflächen und fruchtbare Böden verschwinden. Nomadische Viehzüchter brauchen Weiden, auf denen ihre Tiere grasen können, so wie Kleinbauern Land brauchen, um Getreide und Früchte für ihr Überleben und das ihrer Familien anbauen zu können. Wenn die Wüste sich ausbreitet, beanspruchen die Viehzüchter das Land der Bauern oder umgekehrt.“
(Quelle: NDR Kultur: Gedanken zur Zeit, Klimakriege, Sendung vom 5. April 2008)

Umweltschäden

Hangrutschen

Starke Niederschläge können in Verbindung mit einer unkontrollierten Abholzung von Wäldern Erosionen in großem Ausmaß auslösen. Ganze Regionen, vor allem in Gebirgen, können dadurch unwegsam werden und eine Besiedlung unmöglich machen.

Desertifikation

Trockenheit und Raubbau in der Landwirtschaft, zum Beispiel durch Überweidung, sind einander verstärkende Ursachen für die Ausbreitung von Wüsten. In den Gebieten südlich der Sahara in Afrika (Subsahara) löst die zunehmende Verödung Migrationsbewegungen aus, die die Menschen der Region bis nach Europa treiben.

Trinkwassermangel

In den vergangenen Jahrzehnten ist eine rapide Gletscherschmelze zu beobachten. Die Trinkwasserversorgung – so sie von diesen natürlichen Reserven abhängt – wird gefährdet. Wenn ganze Landstriche und Bevölkerungsgruppen von der Trinkwasserzufuhr der Flüsse abgeschnitten werden, zum Beispiel vom Euphrat im Irak oder vom Jordan im Nahen Osten, gefährdet das die Gesundheit und das Überleben der Menschen sowie die gesamte Landwirtschaft.

Ursachen der Erderwärmung

„Die Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche ist seit Ende des 19. Jahrhunderts um 0,74 Grad Celsius gestiegen. Wissenschaftlichen Modellen zufolge wird sie bis zum Jahr 2100 um weitere 1,8 bis 4 Grad Celsius ansteigen. Das bedeutet rapide und tief greifende Veränderungen, wenn notwendige Maßnahmen nicht ergriffen werden. Selbst im Falle des geschätzten minimalen Temperaturanstiegs wäre ein größerer Klimawandel die Folge als in den letzten 10.000 Jahren. Der Grund für die steigenden Temperaturen sind eineinhalb Jahrhunderte Industrialisierung: das Verbrennen von immer größeren Mengen an Öl, Gas und Kohle, das Abholzen von Wäldern sowie bestimmte landwirtschaftliche Methoden.“ (Quelle: www.unric.org > Umwelt > Klimaänderung > Klimawandel: Hintergründe und die Antwort der Vereinten Nationen)

Sicherheitsrisiko Klimawandel

Zu Beginn des G8-Gipfels im Juni 2007 hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen sein Gutachten „Sicherheitsrisiko Klimawandel“ präsentiert. Die Wissenschaftler schlagen darin Alarm: Ohne Gegensteuern wird es in einigen Weltregionen zu innerstaatlichen Zerfalls- und Destabilisierungsprozessen kommen. Sie zeichnen schon heute ein trübes Bild: 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu ausreichend gutem Trinkwasser. Ernteverluste führen zu Hunger in den Entwicklungsländern. 850 Millionen Menschen sind unterernährt. Stürme und starke Niederschläge führen vor allem in Küstenregionen zu Naturkatastrophen. Die Wasserstände der Ozeane steigen. Diese Bedingungen führen zu Verteilungskonflikten vor allem um Wasser, aber auch um Öl, Kohle und andere lebenswichtige Ressourcen, und sie führen zu Flüchtlingsbewegungen – zunächst innerhalb eines Landes als Binnenmigration, dann aber auch zwischen Ländern. Das wiederum kann zu Konflikten mit der Bevölkerung der Regionen und Länder führen, in die die Flüchtlinge kommen.

Klima-Migration


Europa versucht sich vor unkontrollierter Einwanderung zu schützen. Im Jahr 2005 wird die „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Europäischen Union“ ins Leben gerufen. Sie spürt Migranten an den Grenzen zu Osteuropa, am Mittelmeer oder vor den Kanarischen Inseln auf. An den entscheidenden Punkten der Flüchtlingsrouten gibt es große Grenzanlagen.

In den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika versuchten beispielsweise im September 2005 beinahe 800 Menschen gleichzeitig, die sechs Meter hohen Grenzzäune zu überwinden. Es gibt riesige Flüchtlingslager auf Lampedusa in Italien und in Libyen, in denen Migranten auf ihre Rückführung in die Heimatländer warten. Wer diesen Weg nach Europa nicht schafft, der wird von Schlepperorganisationen auf Fischerbooten über See nach Europa geschleust. Viele Menschen, darunter Frauen und Kinder, vor allem aus dem Senegal, Nigeria und aus Ländern der Sahelzone, überleben die Bootsfahrt oft nicht.

Energiesicherheit

Energie- und Klimafragen sind eng miteinander verknüpft. Die Nachfrage nach Energieträgern wie Erdöl und Gas ist hoch; und der weltweit steigende Verbrauch führt zu Klimaveränderungen – mit gravierenden Folgen für viele Regionen der Welt. Gleichzeitig wird der Wettbewerb um Rohstoffe und Ressourcen immer härter. Die Regierungen müssen Wege finden, die Energieversorgung für die Wirtschaft sicherzustellen.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe muss Deutschland für die Energieversorgung der Wirtschaft und Bevölkerung 76 Prozent der Energierohstoffe aus anderen Ländern importieren: am meisten aus Russland, aber auch aus Norwegen, dem Nahen Osten oder Afrika. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass Deutschland Energie aus unterschiedlichen Staaten importiert, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden und der Energiebedarf reduziert wird.