Bündnisse für mehr Sicherheit
Zivil-Militärische Zusammenarbeit
Nach dem Krieg ist vor dem Frieden – das gilt auch für die Lage in Afghanistan oder im Kosovo. Wenn die Kämpfe vorbei sind, kehrt nicht automatisch Frieden ein. Bis zu einem friedlichen Miteinander und einer demokratisch gewählten Regierung ist es meist noch ein weiter Weg. Hier setzt die Arbeit der internationalen Friedenstruppen an.Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan
Im Dezember 2001 erteilte der UN-Sicherheitsrat das Mandat, eine Sicherheitstruppe für Afghanistan aufzustellen. Die Resolution des Sicherheitsrats erlaubt „friedenserzwingende Maßnahmen“, also Einsätze, bei denen militärische Mittel angewendet werden, um den Frieden in den Konfliktgebieten wiederherzustellen.
Bundeswehrsoldat auf Patrouille in Afghanistan (Foto: BMVg/Stollberg)
Die deutschen ISAF-Soldaten tragen in den nördlichen Regionen vor allem zur Stabilisierung bei. Sie helfen mit, die Infrastruktur wieder aufzubauen, Polizeikräfte und afghanische Soldaten auszubilden oder Schulen und Krankenhäuser in Betrieb zu nehmen. In einigen Regionen regieren jedoch immer noch die Taliban, die islamistischen Extremisten Unterschlupf bieten, oder so genannte Warlords, die den Drogenanbau und -handel kontrollieren. Die Bundeswehr stellt im Rahmen von ISAF den Kommandeur für die gesamte nordafghanische Region. Das Kommando hat seinen Sitz in der Provinzhauptstadt Masar-e Scharif und trägt die Verantwortung für die fünf regionalen Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Teams, PRT) sowie für ein Beraterteam (Provincial Advisory Team, PAT).
Eine Zukunft für Ajmal
In eine echte Schule gehen. Auf Stühlen sitzen. In echte Hefte schreiben. Und dabei ein Dach über dem Kopf haben. Ajmal, 15, konnte nicht glauben, dass es noch etwas Anderes geben sollte als Unterricht im Freien, bei Hitze, Wind und Kälte, ohne etwas zum Aufschreiben zu haben, nur Auswendiglernen, immer wieder.Als einer von mindestens 3.000 Schülern der Shajeed-Aref-Schule in Dschalalabad ist dies für ihn aber nun Vergangenheit. Ajmal geht jetzt auf eine der größten Jungenschulen in der Provinz Nangahar, im Osten Afghanistans. Jeden Tag radelt er eine Stunde hin und eine Stunde zurück. Er ist stolz auf „seine“ Schule, und er zeigt es. Ajmal lacht ein selbstbewusstes Lachen. So wie einer, der seine erste Uhr bekommen hat. Wie einer, der gerade erwachsener geworden ist. „Ich will mal Arzt werden“, sagt Ajmal. (Markus Ziener. In: Handelsblatt vom 18. Mai 2005)
Feldwebel Saskia N. (24) im Kosovo: „Der Einsatz macht erst Sinn, wenn man die Kinder auf den Straßen sieht. Wenn sie durch uns wieder zur Schule gehen können oder Kleidung haben, dann sehe ich den Sinn für den Einsatz.“ (Thomas Brackmann: Geld ist nicht alles. In: Y. Magazin der Bundeswehr, 09/2008, S. 35)
Deutsches Engagement in Afghanistan
Sicherheit und Wiederaufbau sind untrennbar miteinander verbunden. Seit 2002 hat die Bundesregierung über 550 Millionen Euro für den Wiederaufbau Afghanistans zur Verfügung gestellt. Hunderte deutsche zivile Entwicklungshelfer, Polizisten und Diplomaten haben bereits im ganzen Land den politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau unterstützt.Rund 30.000 deutsche Solddaten haben bisher ihren Dienst für die Stabilisierung des Landes geleistet. Außerdem koordiniert Deutschland als Mitglied der europäischen Polizeimission EUPOL den Aufbau einer Polizei in Afghanistan. Der politisch-zivile Wiederaufbau des Landes schreitet voran. Wie sich zuletzt unter anderem bei der Ermordung ziviler Wiederaufbauhelfer, deutscher Polizisten und Soldaten zeigte, bietet die Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin Anlass zur Sorge.
Kundus, Faisabad und Masar-e Scharif
In Nordafghanistan ist die Bundeswehr in Kundus, Faisabad und Masar-e Scharif im Einsatz. Die Soldaten der Provincial Reconstruction Teams (PRT) leisten Wiederaufbauhilfe und sichern die Arbeit der afghanischen Regierung sowie internationaler Organisationen. „Durch intensive Kontakte, beispielsweise mit Bürgermeistern oder Provinzgouverneuren, versuchen wir ein Gespür für die Probleme der Menschen vor Ort zu bekommen, um dann Kontakte mit Hilfsorganisationen oder Spendern zu knüpfen“, erklärt der Kommandeur des Kontingents, Oberst i. G. Reinhard Kuhn (50).
Eigene Hilfsprojekte sollen die Soldaten nicht leiten. Im Rahmen freier Kapazitäten und der nötigen Spendenmittel sind jedoch Kleinstprojekte mit direkter Wirkung möglich. Auf diese Weise wurden unter anderem Schulen mit Mobiliar und Büchern ausgestattet oder Checkpoints für die örtliche Polizei gebaut. (Thorsten Greth: Afghanistan. Wege aus dem Sturm. In: Y. Magazin der Bundeswehr, Juli 2004, leicht gekürzt und geändert)
Ziviler Wiederaufbau
Im Kosovo und in Bosnien Herzegowina erprobt und bewährt, in Afghanistan im Einsatz: CIMIC (Civil-Military Cooperation) – Militär in einer neuen, bisher ungewohnten Aufgabe. Fachleute der Bundeswehr unterstützen die Zivilbevölkerung beim Wiederaufbau, helfen Flüchtlingen bei der Rückkehr und arbeiten dabei auch mit staatlichen und privaten Hilfsorganisationen zusammen.Humanitäre Hilfe und der Wiederaufbau kriegszerstörter Wohnhäuser, Kindergärten, Schulen, Polizeistationen, Ambulanzen und Krankenhäuser tragen zur Normalisierung im Krisengebiet bei und sichern zugleich den Einsatz der Friedenstruppen. Bisher konnten 710 Projekte im Wert von etwa 4,3 Millionen Euro realisiert werden, die aus Spenden und Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert wurden.

