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Comenius EduMed Siegel 2011
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Didaktik und Methodik

Kompetenzorientierung in der politischen Bildung

Nach dem Fall der Mauer vor 20 Jahren und der Wiederherstellung der deutschen Einheit deutete zunächst einiges darauf hin, dass die Muster der internationalen Politik, die Balance von Frieden und Sicherheit, einfacher und planbarer würden. Mittlerweile wird eher eine zunehmende Komplexität registriert, die die Staaten und alle anderen Handlungsträger wie Nichtregierungsorganisationen vor große Herausforderungen stellt.

Diese Herausforderungen gelten nicht zuletzt für die politische Bildung, die Schülerinnen und Schülern eine Aufarbeitung und Positionsfindung ermöglichen soll.

Die politische Bildung konzentriert sich derzeit unter anderem darauf, sogenannte inhaltsbezogene Konzepte stärker durch Kompetenzorientierung zu ergänzen, wobei neben der Sachkompetenz der politischen Urteils- und Handlungskompetenz eine besondere Rolle zukommt, mit nicht unerheblichen Auswirkungen auf die Unterrichtsgestaltung. Auf dieser Abstraktionsebene sind das durchaus plausible wissenschaftliche und fachdidaktisch fundierte Postulate.

Aber in der Konkretisierung, insbesondere im Bereich der internationalen Politik, ist eine stringente Systematik des Lehrens und Lernens nicht leicht. Die Bildungsstandards legen dazu eine Basis. Doch auch, wenn die Inhalte unbestritten Akzeptanz finden, müssen diese sehr allgemein bleiben und sind daher auch nur begrenzt hilfreich: Bezogen auf den mittleren Abschluss (Klasse 9 und 10) heißt es in den Bildungsstandards zum Punkt „politische Urteilsfähigkeit“:

„Die Schülerinnen und Schüler besitzen ein reflektiertes Grundverständnis von den internationalen Verflechtungen moderner Gesellschaften. Sie verfügen über die Fähigkeiten,
  • an einem Beispiel praktische Konsequenzen und Probleme der europäischen Integration erläutern zu können,
  • an einem Beispiel Globalisierungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erläutern zu können,
  • an einem Beispiel Grundprobleme gegenwärtiger Friedens- und Sicherheitspolitik und kontroverse Positionen hierzu erläutern zu können.“
(GPJE, Nationale Bildungsstandards für den Fachunterricht in der Politischen Bildung an Schulen, Wochenschau-Verlag 2004, S. 21f.)

Die Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe nehmen keine zusätzlichen inhaltlichen Bezüge vor, differenzieren aber im Bereich der Urteilsfähigkeit, zum Beispiel „Logiken und Mechanismen medialer Politikinszenierung entschlüsseln“ und „Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Sachverhalten und politischen Entscheidungen analysieren“. Auch differenzieren sie in puncto politische Handlungsfähigkeit.

Ähnlich werden „Urteils-, Methoden und Handlungskompetenzen“ in den „EPA“ (Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Sozialkunde/Politik i. d. F. vom 17. November 2005) präzisiert:

„Die Schülerinnen und Schüler verfügen über die Fähigkeiten,
  • sich bei der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen und Kontroversen Bezüge zu mittel- und längerfristigen Problemen zu erschließen.
  • an einem für die Lerngruppe geeigneten Beispiel einen politischen Entscheidungsprozess in wesentlichen Aspekten zu analysieren (verschiedene Politikdimensionen, beteiligte Institutionen, einwirkende gesellschaftliche Interessen, wirtschaftliche und rechtliche Bedingungen, internationale Verflechtungen) und anschließend zu beurteilen.
  • Ansätze zur Lösung von nationalen und internationalen Problemen zu entwickeln und zu begründen.“
Sowohl das Schülermagazin als auch das Lehrerheft sind bemüht, die doppelte Komplexität von Themenbereich und unterrichtlicher Zielbestimmung als Anregung für den Unterricht und die Unterrichtsplanung so konkret und aktuell wie möglich aufzubereiten.