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Comenius EduMed Siegel 2011
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Didaktik und Methodik

Methodische Überlegungen

Wie bei jedem anderen Thema ist es Aufgabe der Lehrkraft, Urteile oder Vorurteile, Erfahrungen und Kenntnisse der Lerngruppe zu analysieren oder zumindest einzuschätzen und in die Unterrichtsplanung einfließen zu lassen – sowohl, um vorhandene Potenziale zu nutzen als auch, um gegebenenfalls durch Verfremdungen oder Perspektivwechsel eingefahrene Denkmuster infrage zu stellen.

So können zum Beispiel die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern in der kirchlichen Gemeinde- und Sozialarbeit oder die Erfahrungen älterer Geschwister im Grundwehr- oder Zivildienst einbezogen werden. Zu empfehlen ist die Teilnahme an der interaktiven Politiksimulation POL&IS in Kooperation mit einem Jugendoffizier der Bundeswehr (Informationen dazu im Internet unter www.jugendoffizier.de).

Wichtig ist vor allem der Dialog, die Erörterung in der Gruppe, im Klassenverband, im Gespräch mit Experten, weil auf diesem Wege Meinungen und Einstellungen am ehesten einer ernsthaften Prüfung unterzogen werden. Für die Unterrichtsgestaltung gilt das übliche methodische Repertoire des politikwissenschaftlichen und gesellschaftskundlichen Unterrichts. Von besonderer Bedeutung sind dabei:

Gestaltung von Einstiegsphasen

Der Einstieg soll zu einer tragfähigen Motivation führen und misst sich unter anderem an folgenden Kriterien: Überschaubarkeit (nicht zu komplex), Offenheit (nicht alles schon vorwegnehmen), Anreiz zu Fragen und Problembewusstsein, Verfremdungen (ungewohnte, überraschende Perspektiven), Veranschaulichung, gegebenenfalls ästhetischer Gehalt (Reportagen, Grafiken, Fotos, Karikaturen).

Medienbeobachtung

Die Jugendlichen sollen angeregt werden, Inhalte etwa im Fernsehen und in Tageszeitungen über einen bestimmten Zeitraum zu einem festgelegten Thema zu beobachten und die Informationen für die Diskussion in der Klasse aufzubereiten. Mithilfe des Schülermagazins (hier Magazin) wird an einer Vertiefung und Systematisierung gearbeitet.

Expertenbefragungen

In vielen Fragen sind kompetente und informierte Diskussionspartner wichtig: beispielsweise Jugendoffiziere, Vertreter einer Institution, die Zivildienst Leistende beschäftigt, Zivildienst Leistende selbst, aber auch Grundwehrdienst Leistende. Die Schülerinnen und Schüler bereiten Diskussionsthemen und Fragen vor. Besonders der Jugendoffizier ist in der Lage, komplexe und schwierige Strukturen und Prozesse sachgerecht darzustellen und den Schülern dazu Rede und Antwort zu stehen. Seine Mitwirkung – in der Regel eine Doppelstunde – kann am Anfang als Einstieg stattfinden. In der Regel ist es jedoch ergiebiger, wenn sich die Klasse mithilfe des Schülermagazins bereits eingearbeitet und einige Grundlagen erworben hat.

CD-ROM und Internetnutzung

Zu jedem Thema im Schülermagazin gibt es konkrete Angaben zu Internetangeboten mit weiterführenden Informationen. Besonders lohnend für die Recherche sind die Websites www.bmvg.de und www.bundeswehr.de des Bundesministeriums der Verteidigung und die multimediale CD-ROM „Auftrag: Frieden 2008“ mit Hintergrundinformationen in Text- sowie Bild- und Filmmaterial. Die CD-ROM kann kostenlos beim Streitkräfteamt, Info-Service, Postfach 1328, 53003 Bonn bestellt werden.

Methode: die Pro-und-Kontra-Debatte

  1. Entscheidungsfrage formulieren: Soll/Sollte …? Die Frage ist so zu stellen, dass sie nach einer konkreten Maßnahme fragt und nur mit Ja oder Nein beantwortet werden kann (zum Beispiel: Soll Deutschland ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat werden?).
  2. Einleitungsplädoyers: Jeder Teilnehmer der Debatte erhält Gelegenheit zur Stellungnahme (zum Beispiel zwei Minuten, Zwischenfragen nicht erlaubt).
  3. freie Aussprache (in einem festgelegten Zeitrahmen)
  4. Abschlussplädoyers: Noch einmal erhält jeder Gelegenheit zur Stellungnahme (zum Beispiel eine Minute, keine Zwischenfragen) und hat dabei die Möglichkeit, seine Position gegenüber der Eröffnungsrunde zu ändern. Es sollen aber nur Argumente verwendet werden, die bereits in der Eröffnungsrunde oder in der Aussprache genannt wurden.
(nach den Regeln von „Jugend debattiert “ für vier Personen ohne Gesprächsleiter, www.jugend-debattiert.de)

Abwandlung (für größere Gruppen): Die Gruppe teilt sich in eine Pro- und eine Kontra-Mannschaft. Die Mannschaften sammeln alle Informationen und Argumente zu einem bestimmten Thema. Ein Moderator legt die Entscheidungsfrage fest und lässt eine erste Abstimmung darüber abhalten. Jeder stimmt unabhängig von seiner zugeteilten Position ab. In der Debatte erhält jede Seite abwechselnd Gelegenheit zu Plädoyers. Es besteht die Möglichkeit, einzelne Mitglieder der Mannschaften als Experten hinzuzuziehen und von einem Anwalt jeder Seite befragen zu lassen. Nach den Abschlussplädoyers findet eine zweite Abstimmung über die Entscheidungsfrage statt.