Unterrichtsanregungen zum Magazin
Bundeswehr heute: Weltbürger in Uniform
Das Konzept der Inneren Führung und des „Staatsbürgers in Uniform“ behält auch bei internationalen Einsätzen seine Gültigkeit und bedarf der Weiterentwicklung zum „Weltbürger in Uniform“ und zum interkulturell kompetenten Soldaten.A) Vorschläge für den Unterricht
Mindmap
Das Prinzip der Inneren Führung ist komplexer Natur – es wurzelt in der deutschen Geschichte, im demokratischen Neubeginn nach der NS-Zeit und hat zum Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ geführt.- Erarbeiten Sie anhand der Texte und weiterer Materialien der Bundeswehr (zum Beispiel im Internet unter www.bundeswehr.de) wichtige Merkmale der Inneren Führung. Stellen Sie diese in Gruppenarbeit in einer Mindmap dar. Vergleichen und diskutieren Sie die Ergebnisse in der Klasse.
- Ziehen Sie zum Verständnis auch die Rede von Altbundeskanzler Helmut Schmidt zur Gelöbnisfeier am 20. Juli 2008 heran (siehe Schülermagazin, S. 12), um das Prinzip des „Staatsbürgers in Uniform“ und der „Parlamentsarmee“ zu erläutern.
Rollenspiele
Entscheidungssituationen Fall 1 bis 4 : In Auslandseinsätzen sind die Soldaten oft mit Situationen konfrontiert, in denen schnelle Entscheidungen gefordert sind, ohne dass es eine eindeutig „richtige“ Lösung gibt. Gehorsam als Tugend des Soldaten reicht nicht aus. Der Einzelne muss eine persönliche Entscheidung treffen, die auch seinem Gewissen und seiner Verantwortung Rechnung trägt. Die didaktische Bedeutung der Fallbeispiele liegt unter anderem- in einer vertieften Auseinandersetzung mit aktuellen Aufträgen deutscher Soldaten, vor allem der Verbindung von militärischem Einsatz mit humanitärem Engagement,
- in einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Inneren Führung und dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform,
- in einem hohen Maß an Interesse, Betroffenheit und Identifikation bei den Schülerinnen und Schülern sowie
- in der Beschäftigung mit ethischen Grundfragen auch für das eigene zivile Handeln der Schülerinnen und Schüler (Zivilcourage, Verantwortung).
Entscheidungsfindung
„Im Regelfall geht es um die sinnvolle Praktizierung des abverlangten Gehorsams. Nicht blinder Gehorsam, sondern sinnvolle und lagegerechte Umsetzung der erteilten Aufträge und Befehle wird erwartet. Dazu gehört in bestimmten Einzelfällen auch das Abweichen von strikten Vorgaben. (...) Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich zu verantworten, d. h. im äußersten Fall die nachteiligen Folgen für die eigene Person in Kauf zu nehmen (...). Voraussetzung ist die Fähigkeit des Einzelnen, Situationen, in denen er sich entscheiden muss, auch unter moralischen Gesichtspunkten und Prinzipien zu beurteilen.“Dazu wird eine Abfolge von Schritten für erforderlich gehalten:
- sehen, wie die Wirklichkeit ist
- bewerten der Informationen
- verspüren einer persönlichen Herausforderung
- suchen nach Handlungsalternativen
- abwägen und entscheiden nach der begründeten persönlichen Wertepriorität
- handeln
Im Schülermagazin ( „Entscheidungssituationen“) sind vier Beispielfälle dargestellt, die in Gruppenarbeit und Rollenspiel bearbeitet und im Plenum diskutiert werden können. Sowohl die tatsächliche Entscheidung als auch Auszüge aus der Betrachtung, wie sie im Arbeitspapier des Zentrums Innere Führung vorgenommen wird, sollten nach der Gruppenarbeit/dem Rollenspiel bekannt gegeben und besprochen werden.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren in Gruppen Handlungsmöglichkeiten und treffen eine Entscheidung. Sie ermitteln das Klassenergebnis und erörtern gemeinsam das Für und Wider. Die Fälle 3 und 4 lassen sich auch in Rollenspielen erproben. Ein Einsatzleiter berät sich mit Unterführern und Soldaten. Anschließend legt er den Einsatz seinem Vorgesetzten dar.
Rollenspiel
„Der Soldat ist bereit, Interesse an der Lebenswelt des Anderen zu entwickeln und kulturelle Unterschiede anzuerkennen. Er ist fähig, über eigene Wertvorstellungen nachzudenken und Gegenpositionen zu respektieren, ohne sich in der eigenen Identität bedroht zu fühlen. Und er ist bereit, im Aufeinandertreffen mit Vertretern fremder Kulturen angemessen zu kommunizieren und zu handeln.“ (zitiert aus einer Handreichung der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation, Strausberg)- Setzen Sie im Text für „der Soldat“ „der Schüler“ ein. Überlegen Sie sich Situationen zu interkulturellen Konflikten und Begegnungen und versuchen Sie, die Situationen im Sinne dieses Leitbilds zu regeln.
- Rollenspiel: Entwickeln Sie dazu in Gruppenarbeit Rollenspiele. Stellen Sie im Anschluss selbst einige Regeln auf und arbeiten Sie Eigenschaften heraus, die für die „interkulturelle Kompetenz“ wichtig sind.
- Warum legt die Bundeswehr auf eine interkulturelle Kompetenz heute so großen Wert? (Drei Gründe: Soldaten mit unterschiedlichem Migrationshintergrund in der Bundeswehr, die multinationale Zusammenarbeit, Einsätze im Ausland)
B) Vertiefung
Fallbeispiele
Ein Soldat, der im Ausland eingesetzt wird, muss sich vorher mit der geografischen, klimatischen, ethnischen, historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Situation vertraut machen.Das Gespräch mit dem Dorfchef: „Wir waren in Afghanistan zum Gespräch bei einem der örtlichen Dorfchefs eingeladen. Bei unserer Ankunft wurden wir sehr freundlich begrüßt und ins Haus gebeten. Ich begleitete meinen Zugführer auf dem Weg zum Haus. Beim Eintreten habe ich dann der Frau des Hauses die Tür aufgehalten, um denen zu zeigen, dass wir auch höflich und freundlich sein wollen. Drinnen war die Stimmung dann nicht mehr so gut und unser Gespräch hat nicht viel gebracht. Kurze Zeit später hat man uns gebeten, wieder zu gehen.“ („Interkulturelle Kompetenz“, CD der Bundeswehr, FF 147521285)
Lesen Sie das Fallbeispiel zur Geschlechterrolle. Was läuft hier falsch? Vermuten und begründen Sie, was richtig und falsch ist und überprüfen Sie Ihre Trefferquote*:
- In Indonesien ist es erlaubt, einer Frau die Hand zu schütteln.
- In Saudi-Arabien ist es tabu, beim Essen die linke Hand zu benutzen.
- Deutsche schütteln Hände häufiger als Briten.
- In China ist es unpassend, über seinen Rang und seine Qualifikation zu sprechen.
- Araber schätzen es, Komplimente zu machen.
- Die Religion beeinflusst in arabischen Ländern viele geschäftliche Bereiche.
- Bosnier verstehen nicht, warum den Deutschen Zeit und Pünktlichkeit so wichtig sind.
Kennen Sie weitere Beispiele für kulturelle Unterschiede? Versuchen Sie, mithilfe Ihrer Mitschüler und Ihrer Familien selbst kulturell verursachte Verhaltensweisen zusammenzustellen und diskutieren Sie, wie man damit konstruktiv umgehen kann.
Eigenschaftsliste
Über welche Eigenschaften verfügt eine interkulturell kompetente Person? Sammeln Sie im Gespräch mindestens sechs Eigenschaften, halten Sie diese an der Tafel fest und vergleichen Sie diese mit den folgenden: Lernbereitschaft, Kontaktfreudigkeit, Einfühlungsvermögen, Optimismus, Zurückhaltung, Vorsicht, Impulskontrolle.*(richtig: Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7; falsch: Nr. 1)


